Lauter strahlende Gesichter
konnte man am 30.11.2010 im Rahmen der Besichtigungstour der Bezirksgruppen Northeim, Braunschweig und Hannover sehen. … und diese Beschreibung ist weder politisch noch anderweitig zu interpretieren. Wir besuchten halt nur den Schacht Konrad, das einzige genehmigte Endlager für schwach- und mittelradioaktive Stoffe. Das beigefügte Foto zeigt die rund 30 Teilnehmer frierend vor der „Einfahrt“ in den Berg. Wenige Minuten später fanden wir uns rund 1000 Meter tiefer unter Tage bei angenehmen gut 32 Grad Celsius wieder.
Doch nun zum eigentlichen Tagesablauf. Treffpunkt war um 8.30 Uhr an der Info-Stelle des Schachtes Konrad in Salzgitter-Lebenstedt. Hier erhielten wir zur Begrüßung erst einmal frischen Kaffee bzw. Tee und Gebäck. Nachdem ich unsere fachliche Begleitung für den Tag gefunden hatte, stellte ich mich als Klaus-Dieter Golze vom Landesverband der Agraringenieure Bezirksgruppe Northeim vor. Erstaunlicherweise stellte sich mein Gegenüber bewusst (vorerst) nicht namentlich vor. Erst als wir alle im Inforaum Platz genommen und ich die Begrüßung vorgenommen hatte, gab er seine wahre Identität preis. Ich heiße Schacht und bin hier für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Aber der Vorname blieb uns immer noch verborgen – vielleicht Konrad??
Zum Thema: Der Schacht Konrad ist ein stillgelegtes Eisenerz-Bergwerk im Stadtgebiet Salzgitter. Das Bergwerk wird zum Endlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung umgebaut. Rund 90 Prozent der in Deutschland anfallenden radioaktiven Abfälle gehören in diese Kategorie, sie beinhalten aber nur etwa 0,1% der gesamten Radioaktivität allen Abfalls. Das Fördergerüst des Schachtes Konrad I ist von der A39 und von der Industriestraße Nord aus gut zu erkennen. Es stellt eine Landmarke dar und steht unter Denkmalschutz.
Die Schachtanlage Konrad wurde bis Mitte der 70er Jahre als Eisenerzbergwerk betrieben. Anschließend wurde mit entsprechenden Untersuchungen zur Möglichkeit einer Endlagerung radioaktiver Stoffe begonnen. Nach fast 20-jährigem Verfahren wurde 2002 die Genehmigung erteilt. Sie beinhaltet die Einlagerung von maximal 303.000 m³ radioaktiver Abfälle.
Zur Zeit werden die benötigten technischen Anlagen für die Endlagerung und die Einlagerungskammern errichtet. Die Umrüstarbeiten werden mehrere Jahre in Anspruch nehmen, Einlagerungsbeginn war für 2013 vorgesehen, ist aber mittlerweile verschoben.
Mit diesen Informationen im Gepäck sind wir dann zur eigentlichen Schachtanlage gefahren. Dort bekamen wir neben den vorgeschriebenen Sicherheitsinformationen auch entsprechende bergmännische Bekleidung. Man sieht´s ja auf dem Bild. Dann ging es auf rund 1000 Meter Tiefe runter. In den ca. anderthalb Stunden unter Tage bekamen wir einen realistischen Einblick in diese „Unterwelt“. Dabei sind wir mit zwei offenen Fahrzeugen (hier unten regnet es ja nicht) etliche Kilometer durch schier endlose Gänge gefahren. An exponierter Stelle wurden uns dabei nähere Erläuterungen gegeben. Anschließend ging es wieder bergauf.
Wieder oben angekommen gab es nach einer kräftigen „Bergmannssuppe“ weitere Informationen die in einer auch kritisch geführten Diskussion mündeten. Die Thematik muss bei den Teilnehmern wohl gut angekommen sein. Für das nächste Jahr haben wir uns deshalb mehrheitlich vorgenommen die Asse zu besichtigen. Was auch noch heraus kam: Unser Begleiter der Herr Schacht heißt übrigens Günther und nicht Konrad.
Im Anschluss an diesen offiziellen Teil hatten dann auch noch Gelegenheit uns von zwei Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad im nahe gelegenen Bleckenstedt Informationen der „anderen Seite“ anzuhören. Hier sind die Bedenken gegen die Atomkraft allgemein und die Endlagerproblematik im Besonderen hier vor Ort sehr groß. Der Genehmigung nach sollten die radioaktiven Abfälle nicht rückholbar in Beton unter Tage vergossen werden. Hier wurde uns ein Modell vorgestellt, das sehr wohl die Möglichkeit einer späteren Rückholung und möglicherweise Wiederverwendung bzw. Aufarbeitung beinhaltete. Auch eine interessante Variante, aber wie gesagt nach der Genehmigunng nicht vorgesehen.
Zwei Tage später konnte man in der Zeitung lesen, dass der für Energie zuständige EU-Kommissar Öttinger gleiches forderte. Vielleicht kann man sich ja durch eine Änderung der Genehmigung näher kommen.
Klaus-Dieter Golze