Spannender Arbeitsplatz Bauernhof
Arbeitsmarkt
Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hält an. Die Betriebe passen sich an, indem sie teils erhebliche Wachstumsschritte vollziehen. Das Arbeitsaufkommen in den entstehenden großen Einheiten ist von den Familienangehörigen allein häufig nicht mehr zu leisten. So wächst auf den Höfen der Bedarf an Fremdarbeitskräften.
Die ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen für die landwirtschaftliche Produktion haben sich in den letzten fünf Jahren erheblich verändert und der Anpassungsdruck der Betriebe ist gewachsen. Maßnahmen zur Kostensenkung und Verbesserung der Arbeitsproduktivität waren die notwendigen Schritte. Um im Wettbewerb Schritt zu halten, müssen Betriebsleiter inzwischen permanent organisatorische und technologische Neuerungen einführen. Dazu gehört in manchen Fällen auch die Beschäftigung von externen Fachkräften.
Zu wenig Fachkräfte
Es ist zu erwarten, dass sich der Fachkräftemangel verstärken wird, weil die Qualifizierungsanforderungen steigen und eine Alterung der Arbeitskräfte zu verzeichnen ist, bei gleichzeitig verminderter Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die Aus-, Fort- und Weiterbildung zur Beschäftigungssicherung und Beschäftigungsförderung bekommt eine immer größere Bedeutung, damit neue Fachkräfte für den agrarischen Arbeitsmarkt mit Zusatzqualifikation zur Verfügung stehen. Ungenutzte Ausbildungspotenziale in der Landwirtschaft müssen aktiviert werden. Auch die Beschäftigungsförderung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie die Qualifizierung von Seiten- und Quereinsteigern können Lösungen sein.
Die demografische Entwicklung und deren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Personalpolitik der Unternehmen, beherrschen seit geraumer Zeit die politische Diskussion. Welche Konsequenzen hat die Bevölkerungsentwicklung auf das Angebot an Arbeitskräften? Nach Angaben des statistischen Bundesamtes, wird erst nach 2020 die Zahl der Einwohner in der BRD und die Zahl der Erwerbspersonen deutlich sinken. Mittelfristig ist daher weder mit der Entstehung eines generellen Personalmangels, noch mit der Entlastung des Arbeitsmarktes und einem Abbau der Arbeitslosigkeit zu rechnen. Bis zum Jahr 2010 wird das Angebot an Arbeitskräften sogar noch leicht zunehmen und erst nach dem Jahr 2015 den heutigen Stand erreichen. Gleichzeitig vollzieht sich ein Wandel der Qualifikationsstrukturen bei den Erwerbstätigen mit einem Trend zur höheren Qualifikation.
Folgende Trends
beschleunigen die Nachfrage nach Arbeitskräften:
● Der erheblich beschleunigte Strukturwandel in der Landwirtschaft
in den letzten 10 Jahren.
● 3 bis 4 % der landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen und
bundesweit steigen jedes
Jahr aus der agrarischen Produktion aus.
● Die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter stehen immer mehr vor
der Aufgabe, einen er-
heblichen Wachstumsschritt zu machen, der aber dann nicht mehr
mit den bisherigen Fa-
milienarbeitskräften zu bewältigen ist.
Neue Technologien
Die Unternehmen verwirklichen Wachstumsschritte in den Betrieben durch den Einsatz neuer arbeitssparender Technologien in der Innen- und Außenwirtschaft, die Bildung von Kooperationen oder die Einstellung von Fremdarbeitskräften. Letztere Möglichkeit wird nahezu ausschließlich in Betrieben der alten Bundesländer ergriffen.
Während die Anzahl der Betriebe rückläufig ist, steigt die Anzahl der vollbeschäftigten Fremdarbeitskräfte sowohl in Niedersachsen als auch im Bundesgebiet (siehe Tabelle 1 und 2). Nach eigenen Erhebungen werden in Niedersachsen durchschnittlich 200 bis 300 neue Arbeitsplätze allein in der Landwirtschaft pro Jahr geschaffen.
Deutliche Unterschiede
Die Beschäftigungssituation weist in den landwirtschaftlichen Betrieben der neuen und alten Bundesländer deutliche Unterschiede auf. Die Zahl der Betriebe ist in den alten Bundesländern in 12 Jahren um jährlich 4.43 % zurückgegangen. Bisher haben Familienarbeitskräfte überwogen. Hier ist ein Rückgang von 4,37 % pro Jahr feststellbar (siehe Tabelle 3). Die Bedeutung von Fremdarbeitskräften nimmt zu. Dieser Trend ist auch in Niedersachsen festzustellen.
In den neuen Bundesländern gibt es andere Trends. Im Gegensatz zum alten Bundesgebiet ist die Anzahl der Betriebe steigend, bis zu 2,7 % jährlich. Die Anzahl der Familienarbeitskräfte steigt und die der Fremdarbeitskräfte sinkt. Die Betriebe sind nach der Statistik bis zu siebenmal so groß wie in den alten Bundesländern.
Daraus folgt: Die beruflichen Perspektiven für eine landwirtschaftliche Ausbildung bzw. Fortbildung und Weiterbildung sind gut. Die Stellenangebote an Arbeitsplätzen für Fachkräfte steigen. In Zukunft werden mehr Jugendliche den Agrarbereich als interessanten Ausbildungs- und Arbeitsplatz erkennen. Das hängt allerdings auch vom Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit ab. Die Imagearbeit und Nachwuchswerbung wird somit eine Zukunftsaufgabe der Fachbehörden und des Berufsstandes bleiben. Die Landwirtschaft bietet nach wie vor einen der spannendsten, interessantesten und abwechslungsreichsten Ausbildungs- und Arbeitsplätze.
Mobilität ist gefragt
Die Qualität der beruflichen Ausbildung ist auf einem hohen Niveau und stellt damit hohe Anforderungen an die Auszubildenden. Die Qualifizierungsanforderungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in landwirtschaftlichen Betrieben sind in der Öffentlichkeit und bei der Berufsberatung in den Agenturen für Arbeit oft nicht hinreichend bekannt. Neben den fachlichen Kompetenzen sind die „Soft-Skills“ wie, Motivation, Einsatzbereitschaft, Eigeninitiative, persönliches Engagement, für die Tätigkeit als Fachkraft in der Landwirtschaft sehr gefragt. Dabei ist die Mobilität der Bewerberinnen und Bewerber ein wichtiger Punkt.
Die Qualifizierung und Vermittlung von Arbeitslosen als Seiten- bzw. Quereinsteiger in die Landwirtschaft hat sich in den meisten Fällen als schwierig erwiesen, aufgrund der mangelnden Mobilität und der häufig fehlenden Bereitschaft zur landwirtschaftlichen Tätigkeit. Der Fachkräftebedarf kann über diesen Weg allein nicht gedeckt werden. Eine gute Möglichkeit bieten spezielle Qualifizierungsmaßnahmen, wie zur „Fachkraft in der Schweinehaltung“.
Der Strukturwandel führt dazu, dass sich die Agrarproduktion auf wenige Betriebe konzentriert. Die sinkende Zahl der Familienarbeitskräfte in den Betrieben zwingt zunehmend zur Einstellung familienfremder Arbeitskräfte.
Die Ausbildungszahlen sind zu gering, um den künftigen Bedarf zu decken. Betriebe mit einem bzw. zwei Mitarbeiter/innen werden zunehmen. Qualifizierte Fachkräfte sind Mangelware.
Aktive Imagearbeit
Wer qualifizierte Fachkräfte für seinen Betrieb gewinnen will, muss etwas zu bieten haben. Die Attraktivität des Arbeitsplatzes ist ein nicht zu unterschätzendes Entscheidungskriterium bei der Jobsuche. Ebenfalls eine große Rolle spielt die Entlohnung und die damit verbundene Arbeitszeitregelung. Der Bedarf an Arbeitskräften muss in Zukunft über angelernte Mitarbeiter/innen gedeckt werden. Die Perspektiven für Jugendliche, die nicht aus der Landwirtschaft kommen sind gut. Das Angebot an Arbeitsplätzen für qualifizierte Fachkräfte steigt. Akademiker drängen mehr und mehr in die Praxis. Aktive Imagearbeit und Nachwuchswerbung ist eine Zukunftsaufgabe aller Institutionen und Einrichtungen in der Agrarwirtschaft.
Tabelle 1:
Entwicklung der vollbeschäftigten Fremdarbeitskräfte
in der Landwirtschaft in Deutschland
Jahr 1995 1999 2001 2003 2007 Deutschland 178 100 195 900 198 700 200 300 205 400 Früheres Bundesgebiet 72 000 99 100 99 400 101 200 105 200 Neue Länder 106 200 96 900 99 300 99 100 100 200 Quelle: Statistisches Bundesamt – Wirtschaft und Statistik 4/2003, 4/2005 und 4/2007
Tabelle 2 Ausgewählte Ergebnisse zur
Beschäftigung in den landwirtschaftlichen
Betrieben des alten Bundesgebietes
Altes
Bundesgebiet
Landwirtschaftliche Betriebe insgesamt
|
1991 |
1995 |
1999 |
2003 |
jährliche Wachstums- |
|
|
|
|
|
|
|
|
| Betriebe (in 1000) |
621 |
535,9 |
432,5 |
360,6 |
- 4,43 |
| LF zusammen (in 1000 ha LF) |
11754,4 |
11637,6 |
11530,3 |
11475,5 |
- 0,20 |
| LF je Betrieb |
18,9 |
21,7 |
26,7 |
31,8 |
4,43 |
| Familienarbeitskräfte (in 1000 Personen) |
1337,3 |
1099,2 |
901,7 |
782,6 |
- 4,37 |
|
Ständig beschäftigte familienfremde
Arbeitskräfte (in 1000 Personen) |
82,6 |
72 |
99,1 |
103 |
1,86 |
|
Nicht ständig beschäftigte familienfremde Arbeitskräfte (in 1000 Personen) |
|
|
|
|
|
|
Anteil der Familienarbeitskräfte an der Summe
aller Arbeitskräfte (nach Personen) |
88,39 % |
88,25 % |
73,08 % |
68,85 % |
- 2,06 |
|
Anteil der ständig beschäftigten
familienfremden Arbeitskräfte an der Summe aller
Arbeitskräfte (nach Personen) |
5,46 % |
5,78 % |
8,03 % |
9,06 % |
4,31 |
|
Betriebliche Arbeitsleistung insgesamt (in 1000 AK-Einheiten) |
|
|
|
|
|
| Betriebliche Arbeitsleistung (je 100 ha LF) |
6 |
4,9 |
4,3 |
4,2 |
- 2,93 |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 3, Reihe 2.2. bzw. Reihe 2.18 (ab 1997) verschiedene Jahrgänge