Rückblick 2002
Exkursion zur BBA am 23.05.03

Reisebericht zur Fachexkursion „Wirtschaft und Landwirtschaft in Weser Ems" 07.03
Reisebericht zur Fachexkursion „Wirtschaft und Landwirtschaft im Münsterland“ 07.04

 

Reisebericht zur Fachexkursion die „Nienburger Region“ vom 19.07. – 20.07.2006

Die diesjährige kleine Studienfahrt des Landesverbandes der Agraringenieure Niedersachsen führte in den Raum Nienburg.

Früh am Mittwochmorgen startete unsere Fachexkursion von Hannover aus Richtung Westen. Es hat bereits Tradition, dass die Kollegen unseres Verbandes unterwegs in Richtung des Bestimmungsortes aufgenommen werden. Die Teilnehmerzahl schwankte zwischen 25 und 15 Kollegen. Dies ist insgesamt knapp zufrieden stellend; bedingt durch die frühe Ernte des Jahres 2006 konnten einige noch praktizierende Berufskollegen kurzfristig an der Fahrt nicht teilnehmen.

Mittwoch, den 19. Juli 2006

Erste Station der Exkursion war die Binnenfischerei und Aalräucherei Cord Dobberschütz in Nienburg. Gegründet wurde der Betrieb im 16. Jahrhundert. Früher wurde neben der Fischerei noch landwirtschaftliche Flächenbewirtschaftung betrieben. Heute ist die Hofstelle umgeben von sonstiger Wohnbebauung, direkt am Weserdeich. Die Betätigung ist, der Landwirtschaft zuzuordnen. Ein gewerblicher Bereich mit Fischvermarktung und Feinkost ist in die Innenstadt ausgelagert.  Ca. 37 km Weserverlauf sind durch das Unternehmen gepachtet und werden entsprechend befischt. Daneben noch diverse Teichanlagen.

Intensiv diskutiert wurde die Kormoran - Problematik. Die Bejagung ist z. B. in Naturschutzgebieten so nicht zulässig; aber hier auch dringend erforderlich. Den interessierten Teilnehmern der Exkursion eröffnete sich ein neues Blickfeld. Insbesondere die Besichtigung des Räucherraumes, in dem auch noch lebende Exponate zu betrachten sind, war interessant.

Nach einem ausgiebigen Mittagessen in der DEULA-Lehranstalt Nienburg wurde der Ort Barver angesteuert. Hier befindet sich die Hofstelle des Betriebes Jörn Kriesmann. Dieser hat nach der landwirtschaftlichen Berufsausbildung im Jahr 1987 den elterlichen Betrieb mit seinerzeit 40 Milchkühen und 50 ha Bewirtschaftungsfläche übernommen. Inzwischen werden rd. 800 Milchkühe gehalten. Die Bewirtschaftungsfläche beträgt z. Z. 530 ha (hiervon rd. 360 ha Mais). Auch zukünftig ist eine Erweiterung durch den Landwirt vorgesehen.

Die weitere Betriebsentwicklung wird auch dadurch deutlich, dass eine Biogasanlage mit einem Berufskollegen auf der Hofstelle installiert wird. Die überschüssige Wärme der Anlage soll zur Trocknung von separiertem Gärsubstrat dienen, welches dann als Einstreu im Rindviehbereich dienen soll.

Im Betrieb arbeiten 7 Arbeitskräfte; hiervon 2 in der Außenwirtschaft. Die ursprünglich durchgeführte Bullenmast ist inzwischen eingestellt. Die Kühe werden in Leistungsgruppen gehalten. Neben den Hochlacktierenden wird eine Gruppe mit Färsen bestückt. Darüber hinaus dient ein Strohstall der Aufnahme von empfindlicheren/kranken Tieren. Milchkontrolle wird nicht durchgeführt. In dem Melkkarussell (28 Melkplätze) führt der Chef des Unternehmens noch täglich Melkarbeiten durch. Dies ist nach seinen Ausführungen auch wichtig, um die betrieblichen Zusammenhänge nicht zu verlieren.

Interessant ist die Komponentenhalle. Diese ist so ausgestaltet, dass komplette Lastzüge hier die Einzelkomponenten für das Viehfutter anliefern können. Dies führt zu einer erhöhten Wirtschaftlichkeit bei der Abnahme dieser Einzelfuttermittel.

Nach diesem interessanten Tagesordnungspunkt führte uns die Reise nach Wenden. Hier wurde das Quarter-Horse-Gestüt der Familie Laves besichtigt. Neben 8 Zuchtstuten des Betriebes werden hier Deckhengste gehalten. Die Fremdstutendeckung spielt eine wichtige Rolle. Auch die Aufzucht der eigenen Nachzucht ist ein wichtiger Betriebszweig. Der Betrieb bewirtschaftet insgesamt 27 ha Grünland und hält ca. 70 Pferde (Bestand kann stark schwanken). Neben 2 Mitarbeitern sind 3 Auszubildende auf dem Betrieb zu verzeichnen. Die verschiedenen Stalleinrichtungen wurden besichtigt. Eine Führanlage ist für die Erhaltung des Gesundheitszustandes der Tiere wichtig. Zur Öffentlichkeitsarbeit dienen auch Reitturniere auf dem Gestüt, die einem bereiten Publikum offen steht.

Über die Vorteile von Quarter-Horses wurden die Teilnehmer der Exkursion intensiv informiert. Auf dem Gelände können auch Pensionspferde untergestellt werden. Hier sind neben der angesprochenen Führanlage auch eine Reithalle, ein Round-Pen, ein Außenreitplatz, ein Trailparcour sowie eine Galoppbahn für die Bewegung der Tiere verwendbar.

Zu dem Unternehmen gehört noch ein Westernstore, in dem auch Sattel für die Westernpferde gekauft werden können.

Letzter Programmpunkt war die DEULA Nienburg sowie Besichtigung des Betriebsgeländes. Vorgestellt durch den Geschäftsführer, Herrn Bründer. Hier konnten wir dann auch sehr gut essen und die Nacht verbringen.

Donnerstag, den 20. Juli 2006

Den 2. Tag begann die Exkursion mit einer Besichtigung der Molkerei der Grafschaft Hoja e.G. in Asendorf. Der Betriebsleiter Herr Kück stellte uns die Molkerei vor. Gegründet wurde sie 1889 als genossenschaftliche Molkerei. Derzeit sind ca. 120 Milchlieferanten mit ca. 37 Millionen Liter Milch/Jahr zu verzeichnen. 21 Mitarbeiter/innen sind im Betrieb beschäftigt.

Eine besondere Nischenproduktion konnte mit dem Schichtkäse ausgefüllt werden. Hier ist auch große Nachfrage zu verzeichnen. Eine intensive Handarbeit ist erforderlich, welches die Produktion stark verteuert. Darüber hinaus ist ein Betriebsschwerpunkt die Kräuterbutter-Herstellung. Wir konnten bei der Betriebsbesichtigung in sämtliche Räume sehen und uns von der Herstellung ein Bild machen. Die frisch abgeschöpfte Buttermilch wurde dann auch zur Verkostung gereicht. Die Molkerei in Asendorf ist der zweitgrößte Kräuterbutterhersteller in Deutschland.

Nach diesem der Landwirtschaft nachgeordnetem Betriebszweig ging es nach Eystrup zur Firma Lemann. Hier konnten wir die Essig- und Senf-Fabrik besichtigen. Dieses Unternehmen ist bereits 1809 gegründet worden. In einem Vortrag, in dem Herstellung von Senf und Essig in allgemeinen und auf den Betrieb bezogenen Ausführungen erläutert wurden, fand auch eine Betriebsstättenbesichtigung statt.

Insbesondere die Herstellung von Essig in alten Eichenholzfässern ist bemerkenswert. Der als Ursubstanz dienende Alkohol wird durch die Essigsäure-Bakterien veratmet und zu Essigsäure dann umgebildet.

Die Teilnehmer der Studienreise hatten anschließend die Möglichkeit, den Direktvermarktungsladen der Firma Lemann zu besuchen und den Zuhause gebliebenen etwas mitzubringen.

Nach einem Mittagessen in Eystrup wurde von uns die Straußenfarm in Oyle von Herrn Ehler Hugo besichtigt.

Herr Hugo ist Nebenerwerbslandwirt auf rd. 20 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche. Er hat eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert und ist derzeit aber als Wirtschaftsinformatiker tätig. Neben rd. 500 Schweinemastplätzen wurde 1995 mit der Haltung von Straußen begonnen.

Im nach hinein stellte für Herrn Hugo die Genehmigung der Gehege als Problem dar. Aus praktischer Sicht ist der Untergrund für die Straußenhaltung von besonderer Bedeutung.

Gehalten werden adulte Tiere in der Regel als Trio. Dem Männchen sind dann zwei Weibchen zugeordnet. Diese legen ca. 50 – 55 Eier/Jahr. Herr Hugo gibt die Eier größtenteils an einen Brutbetrieb ab, der ihm dann die geschlüpften Eier wieder liefert.

Problematisch waren die Vorgaben, die aufgrund der Geflügelgrippe eingehalten werden mussten. Der Strauß ist ein Lauftier und braucht viel Auslauf. Nach einem Jahr ist der Strauß schlachtreif. Das Gewicht beträgt dann ca. 100 – 110 kg. Hiervon ist gut 1/3 Fleisch. Hauptfleischanteil ist der Laufmuskel. Die anderen Bereiche weisen recht wenig verwertbares Fleisch auf. Neben diesen Produkten kann die Haut und die Federn vermarktet werden. Darüber hinaus das Frischei aber auch ausgehöhlte Eier, die zu Dekozwecken verwendet werden.

Von der Ernährung ist der Strauß auf rohfasereiches Futter angewiesen. Er kann Wetterextreme recht gut überstehen. Die Vermarktung von Produkten erfolgt teilweise über die Gastronomie, aber größtenteils über einen Hofladen. Hier können neben diversen Straußenwurstprodukten (Schinken, Krakauer, Mettwurst etc.) auch Filet und Steak erworben werden. Das Straußenfleisch enthält wenig Fett und Cholesterin und hat viel Protein und Eisen. Die Vermarktung ist einem Auf und Ab unterworfen.

Von einem kontinuierlichen Preisgefüge ist aufgrund der extremen Schwankungen kaum zu sprechen.

Nähere Informationen finden sich auch auf der Homepage der Straußenfarm unter www.straußenfarm-eule.de. Herr Hugo führt auch Besichtigungen durch. Diese können z. B. unter Telefon-Nr.: 05021/14875 bei dem Betriebsleiter angemeldet werden. 

Bei der Besichtigung des landwirtschaftlichen Betriebes Heinrich Nuttelmann mit Hofstelle Voigtai 1, welches zu Steyerberg gehört. Gemeinsam mit seinem Sohn Ingo bewirtschaftet der Betrieb Nuttelmann rd. 250 Sauen. Als Arbeitskraft kann zudem noch ein Auszubildender hinzugerechnet werden. Die Sauen werden in Freilandhaltung gehalten. Darüber hinaus wird ca. die Hälfte der aufgezogenen Ferkel noch selbst gemästet. Die Bewirtschaftungsfläche beträgt rd. 126 ha.

Nach Abschaffung der Milchkühe hat der Betrieb vor ca. 9 Jahren auf die Sauenhaltung umgestellt. Inzwischen ist auch eine Zertifizierung nach QS vorgenommen worden. Ein großer Unterschied zur Stallhaltung ist, dass die Tiere kaum getrieben werden können. Es muss auf Freiwilligkeit der Sau gesetzt werden, welches einen höheren organisatorischen Aufwand (insbesondere vor dem eigentlichen Fütterungstermin) dann erforderlich macht.

Auf dem Acker wird u. a. Raps und Weizen angebaut. Es handelt sich um teilweise staunasse Flächen mit ca. 30 Bodenpunkten, die aber bei regenarmer Zeit nicht beregnet werden können. Ca. 35 ha der Flächen sind dräniert.

Wir konnten uns dann einen guten Überblick von der Organisation auf der Freilandfläche für die Sauenhaltung machen. Ca. 200 Tiere werden auf einem wechselnden Flächenbereich etwas entfernt von der Hofstelle gehalten. Darüber hinaus werden 50 Sauen (überwiegend Tiere, die das erste Mal geferkelt haben) im Bereich der Hofstelle zur besseren Tierbeobachtung und Quarantänegründen gehalten.

Für das Jahr 2007 plant der Betrieb den Bau eines Flatdecks.

Was hat die Reise gelehrt?

Alle Teilnehmer/innen haben einen guten Einblick und Überblick über die Vorzüge der Agrarwirtschaft im Nienburger Raum erhalten.

Durch diese Exkursion wurden Meinungen revidiert, Erkenntnisse gewonnen, Bindungen und Kontakte geknüpft. Im Vordergrund standen die Agrarwirtschaft, die Diversifizierung und die Vermarktung.

Die Agrarwirtschaft übernimmt auch in der Region Nienburg einen wichtigen Beitrag zur Vielfalt und Pflege der Kulturlandschaft.

Die diesjährige Fachexkursion war wieder ein voller Erfolg und dient der Weiterbildung im beruflichen und privaten Bereich. 

gez. Wulf Langeheine