Rückblick 2002
Exkursion zur BBA am 23.05.03

Rückblicke

Reisebericht zur Fachexkursion „Wirtschaft und Landwirtschaft in Weser Ems", die vom 03.07.- 04.07.03 durch den Landesverband der Agraringenieure Niedersachsen e.V. durchgeführt wurde

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Donnerstag, den 03. Juli

Sehr früh am Donnerstagmorgen startete unsere Fachexkursion in Richtung Westen. Wie in den vergangenen Jahren auch, wurden Kollegen unseres Verbandes unterwegs in Richtung des Bestimmungsortes dann von den einzelnen Autobahnraststätten eingesammelt. Die Teilnehmerzahl mit rd. 30 Kolleginnen und Kollegen ist gut, aber für die Zukunft noch verbesserungswürdig.

Die Transrapid Versuchsanlage in Dörpen/EmslandUnseren ersten Besichtigungstermin hatten wir um 10.00 Uhr in Dörpen im Emsland, auf dem Versuchsgelände des "Transrapid". Leider bestand an diesem Tag nicht die Möglichkeit, mit dem Transrapid eine Fahrt zu unternehmen, da zur Zeit Wartungsarbeiten an der Versuchsstrecke durchgeführt werden. Wir konnten uns aber in einem Vortrag nebst Film über die Technik informieren. Bei der Magnetschnellbahn Transrapid handelt es sich um ein spurgeführtes, entgleisungssicheres Verkehrssystem. Berührungsfrei wird das Fahrzeug magnetisch getragen und geführt. Es sind hohe Geschwindigkeiten (bis zu 500 km/h) möglich. Der Energiebedarf ist jedoch gering. Die von 4 – 5 Windrädern erzeugte Energie reicht aus, um einen Transrapid am Laufen zu halten. Die Versuchsanlage im Bereich Dörpen ist in den Jahren 83 – 86 entstanden.

Wir haben uns dann die Strecke angesehen. Bemerkenswert ist ein über 120 m langer Stahlträger, der gebogen wird und somit als Weiche funktioniert.

Die Teilnehmer waren sich einig, dass ein erneuter Besuch der Strecke sich lohnt, wenn eine Fahrt mit der Bahn möglich ist.

Anschließend haben wir unser Mittagessen in Papenburg eingenommen. Am Stadtrand liegt der südlichste deutsche Seehafen. Es sind rd. 50 km bis zum Meer. Ziel unserer Nachmittagsexkursion war die Meyer Werft, die bis 1974 sogar das Werftgrundstück in der Stadt hatte. Aufgrund von verkehrlichen Engpässen wurde eine Aussiedlung vorgenommen. Die Werft hat die größten Trockendocks der Welt. Es ist schon überwältigend, wenn man sich vor Ort die Anlagen ansieht und an einer Führung teilnimmt. Bemerkenswert ist auch, dass der Betrieb in der sechsten Generation über die Familie geführt wird. Dieses Unternehmen gleicht hiermit fast einem landwirtschaftlichen Betrieb, in dem das Unternehmen an die nächste Generation weitergegeben und somit über Jahrzehnte/Jahrhunderte durch eine Familie geführt wird.

Die Besichtigung der Meyer Werft in Papenburg für alle ein ErlebnisSeit 1985 baut die Werft auch Kreuzfahrtschiffe. Parallel dazu, und weit weniger bekannt, hat sich die Meyer- Werf auf den Bau von Viehtransportern, Gastankern und Fähren spezialisiert. Jeder von uns hat bereits in den Nachrichten bzw. im Fernsehen eine Schiffsüberführung über die Ems gesehen bzw. hiervon gehört. Aber wenn man vor der Ems steht, kann man sich kaum vorstellen, dass solch große Schiffe hier passieren können. Interessant war für uns auch, welche Auswirkungen internationale Geschehnisse auf den Bau von Schiffen haben können. Unser sehr lebhafter und fachkundiger Werksführer berichtete beispielsweise von den Auswirkungen des 11. September 2001, die entsprechende Stornierungen für Aufträge von Kreuzfahrtschiffen nach sich zogen. Auch die Krankheit SARS hatte hier Auswirkungen.

Nach all diesen Informationen haben wir unsere Fahrt nach Leer fortgesetzt und hier das Hotel bezogen. Hätte so manch einer gewusst, dass dieses Hotel über einen so schönen Swimmingpool verfügt, wären doch mehr Badehosen eingepackt worden.

interessierte Zuhörer im Park von Gut Stikelkamp beim Auftritt der JagdbläsergruppeUnser Abendprogramm haben wir in der Ausbildungsstätte der Kreisjägerschaft Leer im Gut Stikelkamp vorgenommen. Hier war gemütliches Beisammensein angesagt. Ein interessierter Erfahrungsaustausch der Kollegen lässt sich doch bei Grillfleisch und Fassbier angenehm gestalten. Interessant ist auch für Naturliebhaber und Jäger, was die Kreisjägerschaft Leer hier auf die Beine gestellt hat. Interessante Exponate sowie die Raumgestaltung sind bemerkenswert.

Freitag, den 04. Juli

Nach einer viel zu kurzen Nacht stand der letzte Tag unserer Exkursion ganz im Zeichen landwirtschaftlicher Betriebe. Zusätzlich zu der Ankündigung bzw. dem Programm wurde noch ein dritter Betrieb aufgesucht.

Besichtigung des Entenmastbetriebes Toben in Ardorf, Kreis WittmundDer Betrieb Toben in Ardorf, im Kreis Wittmund hat sich auf den Betriebszweig Entenmast spezialisiert. Herr Toben sen. war bis zu seinem Ruhestand in der Beratung tätig und hat den Betrieb im Nebenerwerb geführt. Der Sohn Wilfried hat diesen nun zum Haupterwerbsbetrieb aufgebaut. Der Senior ist als Altenteiler noch voll in den Betriebsablauf integriert. Die ursprünglich vorgenommene Tierhaltung in Form von Schweine- und Bullenmast wurde aufgegeben. Seit 1997 werden Enten gemästet. Hierbei handelt es sich um Bölts-Pekingenten. Die Jahresproduktion beträgt 160.000 Stück. Die Eintagsküken werden zunächst in einem klimatisierten Aufzuchtstall großgezogen. Ab dem 21. Tag werden die Tiere dann in einem Offenstall mit Jalousien und Schwerkraftlüftung gehalten. Aufzucht und Mast betragen im Durchschnitt 44 – 49 Tage. Eine Ente wiegt bei Ablieferung im Durchschnitt 3,1 kg. Wer hätte gedacht, dass 100 % jeder einzelnen Ente dann auch verwertet werden kann. Neben der Fleischproduktion haben die Nebenbestandteile der Ente, wie Federn, eine Bedeutung. Aber auch die Schnäbel werden verkauft. Hier gibt es Länder, in denen dieses Körperteil als Potenzmittel gilt.

Herr Toben stellte das komplizierte Genehmigungsverfahren dar. Insbesondere im Bereich Immissionsschutz musste der Betrieb umfangreiche Gutachten vorlegen.

Der nächste Betrieb liegt in Sandeln bei Jever. Der Landwirtschaftsmeister Härten hat sich auf die Vermarktung selbst erzeugter Schafmilchprodukte spezialisiert. Der Betrieb wird ökologisch bewirtschaftet. Z. Z. gehören zum Betrieb ca. 70 ha land- und forstwirtschaftliche Fläche. Es werden rd. 250 Milchschafe gehalten. Wir haben uns insbesondere auch den Melkstand angesehen, der über eine interessante technische Aufstallung verfügt. Die Milchleistung der Herde beträgt im Durchschnitt 380 kg bei 6,2 % Fett und 4,9 % Eiweiß.

Neben der züchterischen Seite, der Innenwirtschaft sowie der Vermarktungserfolge begeisterte uns Herr Härten auch mit seinem persönlichen Werdegang. Der Betriebsleiter kommt aus einer Großstadt im süddeutschen Raum. Während seinem Studiums zum Orchestermusiker wurden ihm im 6. Semester die Weisheitszähne gezogen. Hiernach waren Nerven im Mundbereich zerstört, so dass ein Spielen von Blechinstrumenten nicht mehr möglich war. Herr Härten orientierte sich um und fand in Jever seine neue Heimat. Es ist schon erstaunlich, wie ein vollständig Landwirtschaftsfremder sich so gut in eine Materie einarbeiten kann. Im Anschluss an die Besichtigung war noch eine umfangreiche Verkostung der Produkte wie Lammsalami und Schafskäse bzw. Sandelino (Schafskäse - ähnlich dem Pecorino aus Italien) vorgesehen. Hierzu ließen wir uns italienischen Wein munden.

Nach unserem Mittagessen im Bereich Carolinensiel besichtigten wir noch den landwirtschaftlichen Betrieb Janßen. Dieser wurde zunächst als Vater/Sohn GbR bewirtschaftet. Seit 1992 ist der jetzige Betriebsleiter tätig. Bewirtschaftet werden rd. 250 ha LF. Neben dem Getreidebau und der Erzeugung von Pflanzkartoffeln ist die Gemüsesparte ein wichtiger Bereich. Es werden 15 ha Speisezwiebeln und 15 ha Speisemöhren angebaut. Hier erfolgt eine überwiegende Abgabe an den Handel bzw. Packbetriebe. Der Landwirt stellte uns die Problematik der Bewirtschaftung von Marsch-Böden dar.

Der letzte Programmpunkt stand an – die Besichtigung der Brauerei Jever. Von den ca. 1260 Brauereien in Deutschland steht das Jever Bier an oberer Stelle. Produziert werden 4 Biersorten. Ein Durchgang durch das Brauereimuseum zeigte anhand alter Gerätschaften den Vorgang der Bierproduktion. In der neuen Produktionstechnik sind doch eher nur EDV-Geräte und große Kessel zu sehen. Beeindruckend ist die Flaschenfüllanlage. Hier können 60.000 Flaschen in der Stunde befüllt werden.

Im Anschluss an die Besichtigung wurde den Teilnehmern noch ein kleines Präsent (Minihausbar; bedeutet eine Flasche Jever – Pils nebst Bierglas) überreicht. Daraufhin folgte die Verköstigung. Wir konnten uns von der Einhaltung des Reinheitsgebotes überzeugen!!!

Nach der Rückreise über Langwedel/Allertal wurde Hannover als Zielort gegen 22.00 Uhr angefahren. Wir waren doch alle sehr müde von den vielen Eindrücken (so manch einer auch von den "anstrengenden" Bierproben).

Fazit der Veranstaltung:

Es lohnt sich jedes Jahr wieder an der Fachexkursion bzw. kleinen Studienfahrt der Agraringenieure des Landesverbandes Niedersachsen teilzunehmen. Der Blick über „den Tellerrand" vermittelt Neues, welches auch gewinnbringend in unserer täglichen Arbeit eingesetzt werden kann.

Die Fahrt haben die Kollegen Manfred Heppner und Bernd Oldenburg hervorragend organisiert. Ihnen gilt ein ganz besonderer Dank der Teilnehmer und des Landesverbandes der Agraringenieure Niedersachsen e.V.. In der heutigen Zeit ist es nicht mehr selbstverständlich, dass sich Ehrenamtliche so engagieren.

An alle, die dieses Jahr nicht teilgenommen haben, gilt der Appell doch nächstes Jahr zwei Tage (1. und 2. Juli) für die Fahrt vorzusehen.

Für den Reisebericht:
Wulf Langeheine, Bezirksgruppenvorsitzender Braunschweig